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16. Juni 2026 | BREITENSPORT, HESTASKÓLAR

Erfahrungsbericht: Hestaskólar auf Silfurvatn

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© Luisa A. Dronia

Das IPZV-Breitensportressort freut sich über einen weiteren Hestaskólar-Erfahrungsbericht.

Pfingsten 2026 - Reiten und Yoga - im Paradies in 15848 Ahrensdorf

Tag 1, Freitag, 22.05.2026

Die Aufregung ist groß. Ich verreise das erste Mal mit meiner Islandstute Fjalla in einem Anhänger an meinem Mini-Camper. Als ich auf Silfurvatn ankomme, empfängt mich die Besitzerin des Hofes Anna Stahmann. Ihre freundliche und beruhigende Art färbt direkt auf mich ab, sodass ich den Anhänger sicher parken (ohne Rückwärtsfahren) und wir meine Islandstute Fjalla sicher abladen können. Der vorangekündigte Hänger-Parcours ist unsere erste Herausforderung. Zum Glück bin ich die Erste.

Nach und nach trudeln die anderen neun Teilnehmer der 4-tägigen Hestaskólar (=isländisch für Pferdeschule) ein.

Bis in Reih und Glied auf der Weide alle Anhänger parallel stehen, jedes Islandpferd ausgeladen ist, wird im Hintergrund schon das Essen vorbereitet. Wir bauen unsere Paddocks auf und lernen uns dabei ein bisschen kennen, zumindest diejenigen die sich noch nicht kannten. Andere kamen zu zweit, wieder andere sehen sich nach der letzten Veranstaltung nach einiger Zeit wieder. Und ich habe (stolz wie Bolle) den ersten Paddock meines Lebens gebaut. Alles ist am Aufbauen und Vorbereiten für unsere geliebten Islandpferde. Diese beobachten unser Tun mit schnaubender Neugier. Alle Pferde sind islandtypisch relaxed, bis auf eins. Das scheint mir aufgeregter zu sein, als ich selbst es bin.

Unsere Menschen-Unterkünfte sind so individuell, wie wir selbst. Zwei von uns schlafen in einem Bienenwagen, andere in der Ferienwohnung, auf dem Sofa im Haus, manche im Auto und es gibt sogar ein Dach-Zelt - auf einem der Anhänger!

Nachdem die Pferde in ihre Paddocks gestellt und mit Wasser/ Heu versorgt sind, gönnen wir uns bei Kaffee und Kuchen eine Pause. Eine kleine Stärkung vor unserer ersten Reitstunde bei Jaqueline. Also weiter geht’s: Umziehen, Fjalla fertig, los. Natürlich bin ich vor positiver Aufregung zu früh. Also ein bisschen warm-führen. Auf dem Platz lernen wir Jaqueline kennen. Ich berichte ihr, dass Fjalla mein erstes (Island-)Pferd ist und ich selbst keine Ahnung vom Tölten habe. Im Gegensatz zu meiner Islandstute.

Schon in der ersten Stunde lerne ich, worauf es absolut ankommt, um dauerhaft in einem taktklaren Trab zu bleiben. Jaqueline hat sofort eine Antwort zur Umsetzung parat, ohne dass die Frage je laut gestellt war. Und zum Abschluss bekommen wir ein tolles Kompliment von Jaqueline. Sie sieht, dass Fjalla und ich zu jedem Zeitpunkt liebevoll miteinander sind und ich nicht an den Zügeln ziehe. Das gefällt uns allen.

Nachdem ich Fjalla wieder in ihren Paddock gebracht habe, trinke ich noch mit einer Teilnehmerin gemütlich einen Tee. Plötzlich hören wir ein lautes, aufgeregtes näherkommendes Wiehern und galoppierendes Hufgeklapper... . Wir blicken uns um. Es läuft ein Pferd frei herum! Wiehernd, schwarz, erhobenen Hauptes. Wir laufen schnell hin. Sind in Windeseile zu viert und so formiert, dass wir der schwarzen Schönheit den Weg in alle Richtungen absperren. Das Pferd steigt. Macht sich groß. Schaut mich mit großen Augen an. Ich zeige mit dem Kopf Richtung der Frau links vor mir. Sie spricht in ruhigen Tönen. Das Pferd senkt schließlich den Kopf, schnaubt und lässt sich von ihr einfangen. Es ist das Pferd, das mir aufgeregter zu sein scheint, als ich es bin. Auf der hinteren Weide ist es dem schwarzen Wallach wohl zu weit entfernt vom Hof-Geschehen, sodass es mit seinem Pferdekumpel auf einen Paddock nach oben ziehen darf, es ist sein erstes Reitercamp. Nach dem Spektakel kommt die Yoga-Stunde genau zum richtigen Zeitpunkt.

Und was für eine Yoga-Stunde! Angefangen mit Lavendel-Öl auf Handgelenken und Schläfen über sanfte Atemübungen zu leichten Bewegungsabläufen. Eine Stunde Wohltat, mit entspannenden Klängen für Körper, Geist und Seele. Ein anschließend gemeinsames Abendessen rundet unseren ersten Tag ab.

Tag 2, Samstag, 23.05.2026

Noch vor dem Frühstück schnappe ich mir meine Fjalla und spaziere mit ihr los. Über einen schmalen Weg zwischen zwei Weizenfeldern erreichen wir die große Eiche, dessen Pracht schon von Silfurvatn aus eine magische Anziehungskraft innewohnt. Direkt hinter ihr folgen wir dem Weg, der durch ein Wäldchen führt. Und da sehe ich ihn, den See. Er liegt näher als gedacht und funkelt in allen Facetten der Morgensonne. Ich bin gelandet. Hier, im Paradies auf Erden. Und jetzt erstmal zurück zum Frühstücken. Die Weizenfelder wirken durch die Sonne wie in Gold getunkt. Jedes Korn scheint mir zu winken, angestoßen von leichten Brisen unter strahlend blauem Himmel. Beflügelt geht es weiter mit einem Frühstückstisch, der keine Wünsche offenlässt. Anschließend geht es ans Versorgen der Pferde. Die Reitstunden erfolgen in gleicher Reihenfolge wie gestern. Also weiter geht’s: Umziehen, Fjalla fertig, los. 08:30 Uhr. Jaqueline hilft mir, meine Hilfen klarer und deutlicher und somit verständlicher zu verfeinern. Ein durchgängig klarer taktvoller Trab ist das Resultat. Auf die Lockerheit meiner Schultern soll ich vermehrt achten.

Die Yoga- Stunde kommt nach der zweiten Versorgungsrunde der Pferde wie gerufen.

12:30 Uhr. Wieder beginnt es mit dem von der liebevollen Yoga-Lehrerin Arlett mitgebrachtem Öl. Diesmal ein neuer Duft. Ich habe bereits Yoga-Erfahrungen gesammelt. Aber so eine traumhafte Stunde noch nicht erlebt. Alles beginnt ruhig und rhythmisch. Wir stellen uns hin und Arlett zeigt uns langsame Schritt-Folgen. Die Arme und Hände bewegen sich dabei in fließenden Bewegungen mit. Es ist wie ein Tanz, der sich langsam in alle Himmelsrichtungen ausdehnt. Dabei hören wir leise Musik. Unsere Yoga-Matten liegen auf dem Rasen. Eine Birke spendet uns Schatten. Vögel zwitschern. Und wir tanzen und öffnen unsere Herzen. Nicht nur mein Herz wirkt mir weicher, auch meine Schultern beginnen sich zu lösen. Was für eine wundervolle Kombination aus Reiten und Yoga bei schönstem Sonnenschein an einem Ort wie aus dem Bilderbuch. Um mich herum nur strahlende Gesichter. Namasté.

13:30 Uhr: Mittagessen. Auch noch mein Lieblingsessen: Kartoffeln mit Quark und ein frischer Salat dazu. Ein reger Austausch bei Tisch zur Yoga-Stunde und welche positiven Auswirkungen diese auf unseren Umgang mit und auf unseren Pferden hat. Ich erinnere mich an die Losgelassenheit von Pferd - und eben auch dem Reiter. Nach dem Essen folgt die zweite Reitstunde für diesen Tag. Diesmal bin ich später dran, sodass ich beim Abräumen helfe und ein bisschen weiter plausche. Aber dann heißt es: Weiter geht’s: Umziehen, Fjalla fertig, los.

Nachdem das mit dem Trab so gut geklappt hat, ist Jaqueline wohlwollend der Meinung, ich könne nun auch tölten. Also erklärt sie mir kurz die Hilfen und sagt: Mach‘ mal! Und ich bin wild-entschlossen, gebe alles und... Fjalla töltet unter mir. Ganz bewusst durch mich gesteuert. Das ist ein phänomenales Gefühl. Fjalla verleiht mir Flügel und ich schwebe über den Reitplatz. Nach so kurzer Zeit. Ein Wunsch ist soeben in Erfüllung gegangen!

Text und Fotos: Luisa A. Dronia