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31. März 2022 |

Internationales Zuchtrichtertreffen in Hveragerði

Vom 25.03. bis 27.03. fand in Island, nahe Hveragerdi, auf der Anlage von Eldhestar das internationale Zuchtrichtertreffen statt. Von den 26 internationalen Zuchtrichtern waren fast alle anwesend. Denn trotz der zahlreichen Onlineschulungen im letzten Winter, hatte das Treffen auf Eldhestar natürlich eine andere Qualität.

Der Freitag stand im Zeichen der Wirkung und Umsetzung der Leitgedanken, sowie der Änderungen, die sich in der vorherigen Umsetzung gezeigt hatten. Am Samstag wurden Statistiken der letzten Jahre gemeinsam angeschaut, um die daraus resultierende Entwicklung der Zuchtprüfungen zu betrachten. Da die Maße der Pferde einen großen Einfluss auf die Bewertung durch die Zuchtrichter haben, ist die Arbeit der Ringmaster enorm wichtig. Hier sind hohes Niveau, Kenntnisse sowie Routine gefragt. Nachmittags ging es in die praktische Umsetzung. Es wurde die Gebäudebeurteilung in der Praxis gerichtet sowie einzelne Punkte besprochen und diskutiert. Am Sonntag hielt FEIF Zuchtleiter, Inge Kringeland, einen Vortrag über die Arbeit in der internationalen Zucht. Im Anschluss hörten die Teilnehmer einen Vortrag eines Experten über Wahrnehmung, Verhalten in der Gruppe und dem professionellen Umgang mit Stress.

Die Wahrnehmung eines FIZO-Ritts auf dem Video, gegenüber der Situation des Richterteams vor Ort kann sehr unterschiedlich sein. Die Richter entscheiden nach ihrer Wahrnehmung und fällen ihr Urteil unvoreingenommen, systematisch und unter Berücksichtigung der Leitgedanken. Manchmal stimmt die Notengebung der Richter mit der Einschätzung des Betrachters nicht überein und ist, aus einem anderen Blickwinkel, schwer nachzuvollziehen. Erhalten zwei Pferde für Tölt die gleiche Note, obwohl sie sehr verschieden wirken, so hängt dies mit den unterschiedlichen Bewertungskriterien der Leitgedanken, die die verschiedenen Typen erfassen, zusammen.

Für die Richter ist es wichtig, die Leitgedanken unter denselben Gesichtspunkten anzuwenden. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass innerhalb der Noten eine Varianz besteht. Die Noten werden in halben Notenschritten vergeben, die ein Spektrum aufzeigen. Das bedeutet eine Note von 8,0 hat eine Spanne von 7,8 bis 8,2 oder 8,5 steht für 8,3 bis 8,7. Sicher gibt es in der Notenspanne auch manches Mal eine Diskussion. Für die Richter gilt es die „richtige Note“ zu finden und vor allem die richtigen Kommentare in ausführlicher Form zu finden. Die Kommentare geben dabei einen Aufschluss darüber, warum diese oder jene Note gegeben wurde. Dies gibt dem Züchter/Besitzer oder Trainer eine präzise Einschätzung zum Pferd, die sich auf die Bewertung der Gesamtpopulation bezieht.

Gewiss kann man über alle Möglichkeiten der Zuchtbewertung diskutieren, jedoch sollte diese Diskussion sachlich und emotionslos erfolgen. Sicher ist, dass die Zucht des Islandpferdes in den letzten vier Jahrzehnten einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Die Pferde haben sich in vielen Bereichen, speziell in der „Bedienerfreundlichkeit“ (Takt, Losgelassenheit, Balance) verbessert. Auch das Gebäude hat sich stark verbessert. Speziell, wenn man an die Anfänge denkt, als Islandpferde häufig mit Schweifriemen geritten wurden.

Ein sehr lehrreiches und interessantes Seminar mit guter Atmosphäre und großer Motivation liegt nun hinter uns. Es war klasse nach zwei Jahren alle Kollegen live wiederzusehen. Wichtig ist nun, dass sich die Beschicker und Vorsteller bei gerittenen Zuchtprüfungen über die Leitgedanken, die Regeln und den Ablauf gut informieren. Die Leitlinien sind auf der IPZV Homepage einzusehen. Vielen Dank an die Organisatoren des Seminars, speziell an Heimir Gunnarsson für die Top Vorbereitung.

Jens Füchtenschnieder

IPZV Ausbilder und internationaler Materialrichter