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18. November 2025 | BREITENSPORT, HESTASKÓLAR

Erfahrungsbericht: Mehr als nur ein Stück Metall im Maul: Mythen unter der Lupe bei der Hestaskólar Gebisskunde

Anfang Oktober fand auf Hof Sonnenwiese im nordhessischen Guxhagen ein besonders spannender Abend statt: eine dreistündige IPZV Hestaskólar mit dem Titel "Gebisskunde – Was ist 'sanft' und was ist 'scharf'?" Dozentin war Dr. Diana Krischke.

Jeder von uns Islandpferdereitern ist stets bemüht, seinem geliebten Vierbeiner in allen Belangen gerecht zu werden. Sei es im lockeren Tölt auf der Ovalbahn, beim konzentrierten Training oder beim entspannten Ausritt – wir suchen immer nach der pferdefreundlichsten Lösung. Doch gerade beim Thema Zäumung fühlen wir uns oft hilflos. Die unzähligen Gebisse, gebisslosen Zäumungen, Mythen und Legenden machen es uns schwer, die richtige, und vor allem faire, Wahl zu treffen. Genau hier setzte Dr. Diana Krischke an.

Als promovierte Pferdewissenschaftlerin und Bereiterin der Hofreitschule Bückeburg vereint sie eine seltene Mischung aus fundiertem theoretischem Wissen und jahrzehntelanger praktischer Erfahrung. Sie ist jemand, der nicht nur die Theorie kennt, sondern sie auch exzellent in die Praxis umsetzen kann. Das spürte man im Vortrag.

Ein Hauptpunkt des Seminars war der wohl bekannteste Mythos, der uns Islandpferdereiter oft beschäftigt, weil wir so viele verschiedene Zäumungen verwenden, von der Wassertrense bis zur Island-Kandare: Ist doppelt gebrochen wirklich sanfter als einfach gebrochen oder eine Stange? Diana Krischke zeigte anhand anschaulicher  Bilder und einem präparierten Pferdeschädel, wie die verschiedenen Zäumungen im Pferdemaul wirken. Dabei wurde schnell klar: Die Sanftheit oder Schärfe eines Gebisses liegt nicht nur in der Reiterhand und der Variante der Zügelführung, sondern auch in seiner Bauart. Ein doppelt gebrochenes Gebiss, falsch verwendet oder zu dick für das Pferdemaul, kann weitaus unangenehmer sein als ein korrekt verschnalltes und fein verwendetes Gebiss mit Hebelwirkung.

Neben der Veranschaulichung der Wirkweise von Gebissen und gebisslosen Zäumungen war der generelle Nutzen des Gebisses und dessen Grenzen ein weiteres Thema.

Sehr spannend waren auch die historischen Hintergründe zum Reiten mit Gebiss – die Suche nach der idealen Zäumung ist eben kein modernes Phänomen!

In einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem gebisslosen Reiten zeigte Diana Krischke auf, dass auch hier die individuelle Anatomie und die Ausbildung des Pferdes und Reiters entscheidend sind. Das Fazit: Auch gebisslos kann scharf sein, wenn man unsachgemäß vorgeht.

 

Besonders praxisnah war der Ablauf gestaltet: In der Pause stand uns ein beeindruckender Tisch mit einer riesigen Auswahl an Gebissen und gebisslosen Zäumungen als Anschauungsmaterial zur Verfügung. Das war eine tolle Gelegenheit, die verschiedenen Gebisse in die Hand zu nehmen und selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, wie unterschiedlich die Materialien und Bauarten wirken. Die direkte Fragemöglichkeit an Diana Krischke nach dem Vortrag rundete den Abend perfekt ab.

 

Ein großes Dankeschön geht an das IPZV Breitensportressort, das diesen lehrreichen Abend zu einem so fairen Preis ermöglicht hat. Solche hochwertigen Fortbildungen, die fundiertes theoretisches Wissen mit der Praxis am Islandpferd verknüpfen, tragen entscheidend dazu bei, dass wir unsere Islandpferde noch besser verstehen und ihnen so gut wie möglich gerecht werden können.

Wir können jedem, der die "Hestaskólar" noch nicht kennt, nur wärmstens empfehlen, die Augen nach den nächsten Terminen offenzuhalten oder sogar selbst etwas zu organisieren. Es war nicht nur eine großartige Gelegenheit, sich weiterzubilden, sondern auch eine schöne Möglichkeit, andere engagierte Islandpferdefreunde auf dem Hof Sonnenwiese zu treffen.

Stefanie Hilgenberg