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WM 2019 News
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News zur Islandpferde-WM 2019

Nachrichten von und zur Islandpferde-WM 2019 im Pferdesportpark Karlshorst (Berlin, 4.-11.8.2019)

Passrennen erklärt

In der „Königsdisziplin“ treten zwei Reiter gegeneinander an.

Autor: Nora Benz

Zusätzlich zum Tölt werden Islandpferd und Reiter auch im Pass geprüft. Das Pferd fußt dabei gestreckt von einer Lateralen auf die andere. Im schnellen Tempo geritten, wird der sogenannte Rennpass auch als die „Königsgangart“ des Islandpferdes bezeichnet. Es können Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreicht werden!

Wird sonst eher die Qualität der Gangarten gewertet (wie bei der Passprüfung), spielt beim Passrennen lediglich die Geschwindigkeit eine Rolle. Es werden also rein objektiv die Gültigkeit des Laufes geprüft, sowie die gemessenen Zeiten einander gegenüber gestellt.

Dabei entsteht das besondere Gefühl eines klassischen Pferderennens, da im Passrennen zwei Reiter direkt gegeneinander antreten: Jeweils ein Paar startet vom Stand aus der Startbox. Dabei werden, anders als beim Speedpass, sogar vier Durchläufe pro Reiter durchgeführt. Nach dem ersten Durchlauf in ausgeloster Reihenfolge wird in der Folge der zuvor gerittenen Zeit gestartet. So erhöht sich stetig die Spannung zum jeweils letzten und schnellsten Reiterpaar.

Die magische 10 – der Gänsehautmoment

Der Internationale Richter Lutz Lesener erklärt den perfekten Ritt.

Autor: Nadine Engel

Für die Note 10 müssen wir ein zufriedenes Pferd sehen, das mit der Konzentration ganz bei seinem Reiter ist. Beide zusammen zeigen ein hohes Maß an Präzision. Es kommt nicht nur auf die Qualität der Gänge an, auch die korrekte Ausfüh- rung der Aufgaben ist enorm wichtig. Sind die Übergänge fein geritten, wird die Tempovorgabe eingehalten?

Wenn der Richter dann auch noch Gänsehaut bekommt, dann ist es richtig gut“, sagt Lutz Lesener. Das wird mit der 10 belohnt. „Perfektion ist nun einmal selten“, sagt er. Deswegen sehen wir die 10 nicht alle Tage. Außerdem stehen im ganz hohen Notenbereich in den richterlichen Leitgedanken Anmerkungen wie „sehr geschmeidig“. Aber so etwas liegt eben im Auge des Betrachters und jeder Richter empfindet es etwas anders.

Wie die WM-Pferde leben

Das Hilton unter den Pferdeställen: das neu gebaute Reittherapiezentrum.

Autor: Elisa Oxe

Der Mythos, Islandpferde seien grundsätzlich genügsame Lasttiere, trifft nicht immer zu. Besonders die Sportpferde, die bei der WM2019 Höchstleistungen zeigen, benötigen gutes Futter und beste Pflege. In Berlin-Karlshorst sind sie ihren Bedürfnissen entsprechend untergebracht.

Passend zur WM2019 wurden geräumigeund klimatisierte Ställe von Schlosser Holzbau fertiggestellt. Viele der teilnehmenden Pferde stehen in fest installierten Boxen. Zusätzlich wurden in den neuen Ställen mobile Boxen aufgestellt, die es Platz für über 250 Pferde bieten.

Nur das isländische Team ist mit seinen Pferden in einer der zuvor schon bestehenden Stallanlagen untergebracht, da sie direkt aus Island kommen und isoliert gehalten werden müssen. Die Pferde sind die kontinentalen Viren und Bakterien nicht gewohnt, daher wird versucht, möglichst isländische Bedingungen zu erhalten. Dafür bekommen die isländischen Pferde Heu und Wasser aus Island.

Was ist ein B-Finale?

Die Letzten können die Ersten sein.

Autor: Nadine Engel

Jeder, der sich ein wenig mit dem Turniersport in der Islandpferdeszene beschäftigt, kommt nicht um Begriffe wie A-Finale und B-Finale herum. Immer hin sieht man diese Bezeichnung immer wieder im Programmheft, besonders häufig sogar am letzten Tag eines Turniers.

Anders als im Warmblutsport gibt es eher selten direkte Platzierungen nach einer Prüfung. Bei nahezu jeder Ovalbahnprüfung wird zunächst eine Vorentscheidung geritten und dann das A-Finale bei dem sich die besten fünf Reiter noch einmal im direkten Vergleich gemeinsam im Oval messen müssen. Durch dieses Finale wird der Sieger der jeweiligen Prüfung ermittelt. Man könnte das Prinzip wohl mit einem Stechen vergleichen, nur dass nicht alle die gleiche Vornote haben müssen, sondern eben zu den fünf Bestender jeweiligen Prüfung gehören müssen. Platziert werden im Anschluss alle Teilnehmer des Finales.

Ab 30 Startern gibt es auch das B-Finale. Es dient dazu, den Reitern, die knapp am direkten Einzug ins A-Finale vorbeigeschrammt sind, eine zweite Chance zu geben. Natürlich erreicht man bei wichtigen Meisterschaften sehr schnell weit über 30 Starter. Somit dürfen wir uns natürlich auch hier auf der WM2019 über verschiedene B-Finale freuen. Im B-Finale stellen alle Reiter, die durch ihre Noten in der Vorentscheidung auf Platz 6 bis10 gelandet sind, noch einmal ihr Können unter Beweis. Doch das Beste ist, der Sieger des B-Finales löst automatisch noch ein letztes Ticket für das heißbegehrte A-Finale und kann somit weiterhin um den Meistertitel wetteifern.

Es kommt nicht selten vor, dass dieser sogenannte „Lucky Loser“ seine zweite Chance richtig gut nutzt und letztendlich noch auf den Medaillenrängen landet. Denn in jedem Finale starten alle noch einmal unter gleichen Voraussetzungen. Die Noten aus der Vorentscheidung spielen nun keine Rolle mehr, alles steht wieder auf Null. Und so manches Pferd-Reiter-Team spornt es noch einmal zu neuen Leistungen an mit den anderen Besten zeitgleich im Ring zu sein und dem direkten Vergleich standhalten zu können. Nach jedem Aufgabenteil werden nun die Noten vorgelesen – nicht erst eine Endnote nach der Vorstellung. So kann man im Kopf mitrechnen, sich seinen aktuellen Platz vor Augen führen oder mit seinen Fa- voriten mitfiebern. Das ist spannend für Reiter, Richter und Zuschauer.

Zu schnell für...

Islandpferde sind nicht nur vielfältig, sie sind auch schnell. Im Rennpass können sie über kurze Distanzen Geschwindigkeiten über 50 km/h erreichen. Der Weltrekord über 100 m liegt bei 6,95 Sekunden, also 51,8 km/h. Aufgestellt wurde er auf der Mitteleuropäischen Meisterschaft 2012 von Carina Mayerhofer mit Frami von St. Oswald.

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