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Kategorie "Mein Kumpelpferd" - Skati (F.J.)

27.08.17
von Bärbel Eckert

Mein Isländer heißt Skati (seinen eingetragenen Namen Finnbogi von Brook benutzen wir nicht) und ich bin F. J., ich bin 16 Jahre alt und reite seit ich fünf Jahre alt bin. In meiner Familie reiten meine Schwester, meine Mutter und ich. 2006 haben wir unser erstes Pferd Skati gekauft, und er ist mittlerweile schon 23 Jahre alt. Da ich damals noch sehr klein war und dadurch auch nicht sehr gut mit ihm zurecht kam, habe ich anfangs kleinere Ponys geritten. Als ich größer wurde und schon etwas besser reiten konnte, habe ich mich mit Skati angefreundet und gelernt auf ihm zu reiten. Seit wir uns dann 2012 unser zweites Islandpferd Hjalmur kauften, leben die Pferde bei uns auf dem Hof. Es hat sich dazu entwickelt, dass ich öfter Skati ritt und meine Schwester und meine Mutter Hjalmur öfter ritten, dies ist bis heute so geblieben.

Skati und ich haben in den Jahren schon eine Menge ausprobiert und Spaß gehabt. Angefangen hat es mit dem Dressur reiten, mit der Zeit haben wir an einigen kleinen Turnieren teilgenommen, da wir oft die einzigen mit Isländern waren, hatten wir leider gegenüber den anderen Großpferde wenig Erfolg. Doch wir haben auch Prüfungen vom Reiterpass bis zum Islandpferd zusammen bestanden. Skati ist zwar eher das Gegenteil eines Naturtölters, doch auch das konnten wir durch Kurse verbessern und tölten heute mit viel Freude und Gelassenheit. Für das Springen konnte ich Skati schon früh begeistern, er hat jedes Jahr das Freispringen auf dem benachbarten Reiterhof in der Kategorie „Nordische Rassen“ gewonnen und hat mit mir so manche Springstunde gemeistert.

Irgendwann bin ich auf einen Mounted Games Kurs von der deutschen Meisterin Helena Wetjen gestoßen und habe mit Skati auch nach der Teilnahme begeistert weiter geübt. Nach einigen Jahren, haben wir das freie Reiten ohne Sattel und Trense versucht, dadurch haben wir unsere Bindung gestärkt und mehr Vertrauen in den anderen erlangt.

Seit ich angefangen habe zu reiten, studierten wir mit anderen Freunden und Pferden zu Weihnachten Theaterstücke ein, bei denen unsere Pferde auch eine wichtige Rolle spielten. Dies war gar nicht immer so einfach, da wir die Pferde erst an den Applaus, die Musik oder die Kostüme gewöhnen mussten. Außerdem halten sich Pferde, wie ihr wahrscheinlich wisst, nicht immer an die Regie. Skati nimmt solche Situationen gelassen und kann auch andere Pferde beruhigen. Skati und ich hatten sogar eine Schauspielrolle bei den historischen „Thorsberg Festspielen“, die vom Auszug der Angeln handeln. Weil uns das Verkleiden so viel Spaß bringt, nahmen wir auch am Faschingsritt teil, bei dem wir verkleidet durchs Dorf reiten.

Neben dem Reiten habe ich auch noch andere Hobbys, doch wenn ich mich für eines entscheiden müsste, so würde ich das Reiten wählen. Ich würde es nicht wählen, weil Pferde meine Lieblingstiere sind oder weil Reiten ein tolles Hobby ist, bei dem man sich nicht nur sportlich betätigt, sondern auch koordinativ viel lernen kann; ich würde es wählen, weil ich Skati kennengelernt habe. Weil ich es liebe, mit ihm durch die benachbarten Waldwege zu reiten oder neue Übungen mit ihm zu lernen und weil ich in ihm einen sehr guten Freund gefunden habe, der mich versteht und charakterlich mir sehr ähnlich ist. Skati zu reiten steht für mich an erster Priorität, natürlich muss auch er mal zurückstecken, wenn ich mal etwas anderes vor habe, doch diese Pause hat er sich meiner Meinung auch verdient. Die Frage: „Wie zeigst du deinem Pferd, dass es neben deinen Freunden und Freundinnen unbedingt zu dir gehört?“, stellt sich bei mir eigentlich gar nicht, da Skati ein Teil meiner Freunde ausmacht. Manchmal kommt auch eine meiner Freundinnen und dann können wir gemeinsam reiten. Auf Skati machen wir auch Voltigierübungen und können ihn sogar als Rutsche benutzen.

Immer auf dem selben Pferd zu reiten, ist für mich ein wichtiger Schritt in meiner reiterlichen Entwicklung, da es mir plötzlich wichtig ist, wer noch auf „meinem“ Pferd reiten darf und dass man nicht mehr nur reitet, um zu reiten, sondern auch reitet, um mit seinem Pferd gemeinsam zu lernen und Ziele erreichen kann. Dieses Gefühl entsteht nicht, wenn man jede Woche ein anderes Schulpferd reitet. Durch Skati habe ich gelernt, wie ich mich gegen seinen starken eigenen Willen durchsetzen kann, aber auch wie mit ihm als Team eine Aufgabe meistern kann. Im Laufe der Jahre habe ich mit ihm so einige witzige aber auch traurige Dinge erlebt und ihn dabei auch immer ein wenig mehr kennengelernt. Obwohl er wie ich einen sehr ruhigen Charakter hat, reagiert auch er manchmal unerwartet. Zum Beispiel wollte er sich einmal mit zwei anderen Pferden vom Anbinder losreißen und hat dabei den ganzen fest im Boden verankerten Anbindebalken mit sich gerissen. Außerdem lässt er sich fast nicht verladen und macht danach einen schnellen Abgang, bei dem er sich sogar mal den Rücken blutig verletzt hat. Seitdem haben wir beschlossen, ihn nicht mehr zu verladen, was uns leider sehr einschränkt. Es gibt aber auch lustige Eigenschaften an ihm, beispielsweise tarnt er sich gerne wie ein Chamäleon, wenn ich auf die Koppel komme, um ihn zu holen Dies macht er nicht nur mit seiner braunen zum Tarnen geeigneten Farbe, sondern auch mit seiner Position. Dies optimiert er noch, indem er sich zur Jahreszeit passend Blätter, Schnee oder Äste auf dem Rücken sammelt. Oder er steht mitten in der tiefsten Pfütze.

Mein Pferd und ich sind richtig gute Kumpel und ein gut eingespieltes Team geworden. Angesichts seines Alters werde ich wohl irgendwann ohne ihn leben müssen, aber er prägt und macht einen großen Teil meines Lebens aus.

 F.J.

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