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Kategorie "Mein besonderes Pferd" - Gormur (Platz 2 für Eileen Fenrich-Jopien)

25.06.18
von Bärbel Eckert

Heute möchte ich euch etwas über mein besonderes Pferd und mich erzählen. Ich heiße Eileen und bis 21 Jahre alt. Mein besonderes Pferd ist der inzwischen sechzehnjährige Schimmelwallach Gormur von Borler. Seit 2011 gehört er zu meinem Leben und ich könnte ihn daraus nicht mehr wegdenken, selbst wenn ich wollte.

Er ist aus vielerlei Gründen für mich ein besonderes Pferd. Meine Eltern haben ihn mir gekauft als ich fünfzehn Jahre alt war und eine riesen Angst vorm Reiten im Gelände entwickelt hatte aufgrund schlechter Erfahrungen mit anderen Pferden und eine Wirbelsäulenoperation mit Folgeproblemen auch noch nicht lange zurück lag. Wir hatten bereits einen Isländer und somit war für meine Mutter direkt klar, dass es ein weiterer Isländer werden sollte. Ich war da ganz anderer Meinung, denn die „kleinen wuscheligen Ponys“ waren so gar nicht meine Vorstellung von meinem Traumpferd. Reiten gelernt hatte ich klassisch englisch auf Großpferden und mit den Islandpferden und ihren Spezialgängen hatte ich bis dato weder etwas zu tun noch Interesse daran. Doch das sollte sich schnell ändern.

Auf Wunsch meiner Mutter suchte ich also nach Verkaufsanzeigen von Islandpferden im Internet und da fiel mir ein Pferd schnell ins Auge: ein kleiner Grauschimmel, der auf dem Foto mehr Ähnlichkeit mit einem Reitpony als einem Islandpferd hatte. Dem entsprechend wenig begeistert war meine Mutter erst einmal, als ich ihr das Inserat zeigte. Aber es war ein Isländer und noch dazu ganz in der Nähe, also nichts wie hin.

Das Pferd, welches wir dann bei einer Trainerin in Saarbrücken kennen lernen durften, hatte allerdings wenig Ähnlichkeit mit dem auf dem Foto. Es war Februar und das ganze Pferd war zu einer yeti-ähnlichen Fellkugel explodiert. Aber mit seinem Charme hatte er mich direkt eingewickelt. Absolut brav und liebenswert, ließ er sich anstandslos von mir führen, putzen und satteln und somit fasste ich Vertrauen zu dem „Kleinen“. Die Trainerin ritt ihn mir zuerst vor und danach durfte ich Gormur auf einem kleinen Platz zum ersten Mal reiten. Und ganz ehrlich: Es fühlte sich zuerst einmal total ungewohnt an, das kleine kurze Pferd und die vielen kleinen schnellen Schritte, die er machte. Trotzdem fühlte ich mich sofort wohl und als die Trainerin fragte, ob ich noch eine kleine Runde ins Gelände gehen möchte, war ich sofort dabei. Und Gormur enttäuschte mich nicht. Bei Begegnungen mit Spaziergänger, Hunden und auch Fahrradfahrern blieb er super entspannt und wir wagten sogar unseren ersten gemeinsamen Galopp.

Obwohl ich mir danach noch weitere Islandpferde anschaute, blieb mein Herz doch an dem hübschen Schimmel hängen und im März 2011 zog er schließlich bei uns Zuhause ein. Aber natürlich hatten auch wir unsere Startschwierigkeiten. Ich war absoluter Neuling im Islandpferdereiten und Gormur hatte einen Gangsalat, der sich sehen lassen konnte. Nicht unbedingt die beste Kombination. Zu Anfang hatte ich keine großen Pläne mit Gormur, wir gingen viel ins Gelände, nahmen an Wanderritten und Reiterspielen teil. Er trug mich sicher durch jede erdenkliche Situation, ein absolutes Verlasspferd. Er war dabei allerdings auch unglaublich faul. Somit begannen wir 2012 mit der Teilnahme an Reitkursen und Reitabzeichen des IPZV. Anfangs war es unglaublich anstrengend, denn sobald es richtig ans Arbeiten ging, ließ Gormurs Kooperation sehr zu wünschen übrig. Und doch konnte ich mich in den wichtigen Momenten immer auf ihn verlassen, und so sprang er beispielsweise beim bronzenen Reitabzeichen kurzfristig einen Tag vor der Prüfung als Ersatzpferd ein und brachte mich sicher durch die Prüfung.

Meine ersten Turniere bestritt ich mit ihm und durch ihn bekam ich meine Sicherheit und die Freude beim Reiten zurück. In den sechs Jahren, in denen wir nun ein Team sind, hat er sich extrem weiterentwickelt. Seine Gänge sind selbst von unerfahrenen Reitern gut getrennt und taktklar zu reiten. Selbst im Gelände mit vielen Pferden geht er niemals durch, lässt sich sofort durchparieren. Er ist viel kooperativer geworden und geht gut vorwärts. Auch Lektionen wie Kompliment oder Hinterhandwendung beherrscht er. Und dieses Jahr lief er sogar in drei Prüfungsteilen des Trainer C unter mir in der Prüfung und bestand diese mit guten Noten.

Durch meine Wirbelsäulenoperation vor einigen Jahren kann ich nicht mehr einfach jedes Pferd reiten. Wenn ein Pferd bockt oder ich stürzen sollte, ist das für mich einfach nicht gerade ungefährlich. Gerade am Anfang war ich dadurch unsicher und auch etwas ängstlich. Gormur hat eine sehr beruhigende Art und weiche erschütterungsfreie Gänge, da er nicht so bewegungsstark ist. Auf ihm sitzt man wie festgeklebt, und ich kann ihn problemlos auch ohne Sattel und Trense reiten. Er reagiert gut auf Stimme und Atmung und würde niemals ins Rennen kommen, sodass ich einfach entspannt sein kann. Und darum hat er mir wahnsinnig viel dabei geholfen, meine eigene Sicherheit zurückzugewinnen und so reite ich heute fast jedes Pferd wieder ohne Angst oder Unsicherheit dank ihm.

Ich verdanke diesem Pferd so unglaublich viel, denn durch ihn bin ich überhaupt bei den Islandpferden gelandet und habe meine Liebe zu den „kleinen wuscheligen Ponys“ entdeckt. Ich habe für mich beschlossen, auch beruflich mit Pferden arbeiten zu wollen und anderen Menschen dabei zu helfen, ihren pferdigen Traumpartner zu finden. Gormur ist mein Verlasspferd Nummer 1, egal ob es darum geht, ein nervöses Pferd ins Gelände zu begleiten oder mit einem unerfahrenen Pferd Hänger zu fahren oder einfach nur entspannt eine Runde durchs Gelände zu tölten, er ist für alles zu haben. Für uns gehört er zur Familie und es käme für keinen von uns jemals in Frage, ihn wieder herzugeben.

Und darum ist er für mich mein besonderes Pferd!

Eileen Fenrich-Jopien

Eppelborn, 21 Jahre

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